
Philipp Buhl entgleitet EM-Titel in letzten Wettfahrt
(Kaŝtela /Split (Kroatien), 17./22.05.2026-- Text: Friedl Buhl, Bilder ©: (siehe Bildangaben))
Der absolute Top-Erfolg war so greifbar nahe wie realistisch. Doch das vollkommende Happy End sollte es nicht werden.
Allerdings: Mehr als das ihm vor die Nase gesetzten Pflicht-Ziel erreichte Philipp bei der Europameisterschaft auf der Adria vor Kaŝtela (Region Split) in Kroatien. Und dieses ist gewiss nicht von Pappe: Nämlich mindestens 3. Platz! So hatte es der Deutsche Seglerverband (DSV) seinem mit Abstand bis heute erfolgreichsten Laser- / ILCA-Segler aus Sonthofen verordnet - absolut unverständlich. Für den Fall, dass er die mit Beginn 2026 auf null gestutzten Unterstützungen wieder erhalten will. Das hat er nun eindrucksvoll abgeliefert.
Und noch mehr. Denn Philipp gewinnt die Silbermedaille und segelt zudem nur minimal am EM-Titel vorbei. Und dies in der Europawertung plus darüber hinaus auch in der weltweiten Wertung. So bringt er – und zurecht stolz - zweimal silbernes Edelmetall mit nach Hause.
Ein wahrlich großartiger Erfolg für den Sonthofener, der für den Norddeutschen Regattaverein (NRV) sowie seinen heimatlichen Segelclub SCAI am Großen Alpsee startet. Was das Dominieren in der Spitze eines solchen Konkurrenten-Feldes wirklich bedeutet, lässt nicht zuletzt die ungewöhnlich große Athletenzahl von 173 aus knapp 50 Nationen erahnen.
Das zweitbeste deutsche Resultat erzielte Philipps Alpsee-Clubkamerad Julian Hoffmann mit sehr beachtlichen teils einstelligen Platzierungen und dem 16. Rang insgesamt. Damit hatte er seine weiteren DSV-Kaderkollegen mit Platzierung von über 30 sicher im Griff.
Am ersten Tag bot der Wind keine hinreichend fairen Wettkampfbedingungen, so dass die Segler ohne Wertungen zurück an Land kehren mussten. Dies war für die angesagte nördliche Windrichtung schon zu erahnen. Denn dann ist grundsätzlich nur innerhalb der Bucht von Kaŝtela, auf der Bahn KILO, unter bestimmten Umständen einigermaßen

vernünftiges, aber meist doch schwieriges Regattieren möglich. Auf der alternativen Bahn OSCAR außerhalb der Bucht geht es nur bei westlichen bis südöstlichen Winden gut.
Keine Wettfahrten bzw. Ergebnisse am 1. Tag
Über die drei Folgetage wehte lokalthermisch initiierter Wind aus westlichen Richtungen und damit mehr oder weniger wohlwollend, so dass auf Area OSKAR gesegelt werden konnte.
Philipp gelang zunächst (am insgesamt zweiten Tag) mit den Plätzen 6, 4 und 4 ein sehr solider und stabiler Einstieg ins Wettkampfgeschehen.
Am dritten Tag schwächelte ein drehender Wind derart, dass nur am frühen Nachmittag mit Mühe eine von drei geplanten Wettfahrten zustande kam.
Keine Schwächen zeigte indes der Oberallgäuer mit dem stattlichen Erfolgsdruck im Nacken. Er querte als Zweiter das Ziel. Damit war das Qualifying über nur vier Wettfahrten (statt der sechs geplanten) beendet. Philipp qualifizierte sich unter Berücksichtigung des gestrichenen Ergebnisses auf Rang 5 für das Goldfleet. Ohne das Streichergebnisses (also anhand der Bruttopunkte) stand er an 3. Position. Sein Rückstand zum bis dahin führenden George Gautrey (Neuseeland) betrug nur 7 Punkte.
Philipps Nachfolger unter den deutschen Kader-Seglern war Julian Hoffmann auf Qualifizierungsposition 13.
Ab dem vierten Tag ging es nun in der Finalserie der Goldflotte und somit in stark erhöhter Leistungsdichte zur Sache. Der Wind zeigte sich mit einer ordentlichen thermischen See-Brise kooperativ, womit die Fortsetzung auf der geeigneteren Area OSCAR, außerhalb der problematischen Bucht, geboten war.
Das Wettkampfgeschehen ließ für Philipp zunächst mit Platz 3 keinen Wunsch offen. Inder Zwischenbilanz verbesserte er um drei Positionen auf den 2. Platz. Die folgenden zwei Wettfahrten verliefen mit den Plätzen 8 und 11 nicht optimal. Insbesondere bei der letzten T

ageswettfahrt wären laut Rückschau-Analyse durchaus gewisse Verbesserungen relativ gut möglich gewesen.
Wie sich schließlich am Schluss zeigen sollte, hätte ... (mehr dazu später).
Philipp behielt zwar den 2. Rang im vorläufigen Zwischenergebnis. Doch sein nunmehr gefährlichster Konkurrent, Pavlos Kontides (Zypern) stieß mit zwei sehr guten Ergebnissen um 4 Punkte Vorsprung an die Spitze. Der zuvor noch souverän führende Neuseeländer George Gautrey landete zwischenzeitlich hinter Philipp auf Platz 3.
Ergebnisse nach 4 Q-Races, 3 F-Races, bzw. 4. Tag (nicht vorhanden)
Am fünften Tag setzten sich wieder die unbeliebten nördliche Winde durch, wofür nur die zwar bestgeeignete, aber dennoch problematische Bahn KILO in Frage kam. Und schließlich kamen zum zweiten Male keine Wettfahrten zustande.
Keine Wettfahrten am 5. Tag
Am sechsten und letzten Tag standen noch drei geplanten Wettfahrten an. Erneut kam die Area KILO in Frage. Doch sie funktionierte diesmal, weil der Wind mehr von rechts, aus Nordost kam. Schwierig blieb das Segeln dennoch, da der ablandige Gradientwind über den nicht weit entfernten Gebirgszug mit reichlich Böen und Dreher durch die Bucht von Kaŝtela / Split wehte.
Für Philipp begann der Tag traumhaft gut. 2. Platz in der ersten Wettfahrt. Sensationell und vielleicht das beste Ergebnis seiner Karriere war der Wettfahrtsieg von Philip Walkenbach (DSV-Kader, bisher gesamt nur um Rang 50). Er passierte das Ziel nur etwa eine Bootslänge vor Philipp Buhl. Im Nachhinein betrachtet fehlte Philipp nur der eine Punkt bzw. eine Bootslänge zum EM-Titel.
Auch Philipps Hauptkonkurrent Kontides segelte mit einem 5. Platz sehr gut und behauptete seine Führung um nur mehr 1 Punkt. Das Duell der beiden hocherfahrenen ehemaligen Weltmeister und mehrfachen Olympiateilnehmern war an Spannung nicht zu übertreffen.
Nun das fünfte Finalrace und der wohl abschließende Wettkampf; an eine weiteren war wegen der Abschlusszeit-Begrenzung kaum mehr zu denken. Philipp musste für den erfolgreichen Zugriff auf‘s goldene Edelmetall nun mindestens eine Position vor Kontides ins Ziel kommen.

Dreher und Böen hatten es in sich. Das Antizipieren des Windes höchst schwierig. Teils schlicht unmöglich.
Beiden lief es nicht berauschend. Und sie segelten, über die fünfteilige Finalserie betrachtet, ihr schlechtestes Ergebnis ein und somit ihren endgültigen Streicher: Kontides (14.), Philipp (30.). Das reichte dem Zypritoten zur Goldmedaille und zum neuen Europameister – extrem knapp! Philipp gewinnt die Silberne und wird Vize-Europameister. Aufgrund seines minimalistischen 1-Punkt-Rückstandes darf er berechtigt auch etwas Gewinner-Gefühle mit anzapfen.
Hätte – und das darf man in dieser ungewöhnlich engen Situation schon mal äußern - Philipp beispielsweise statt dem 8. oder 11. Platz am vierten Tag nur um einen Platz verbessert (sicher kein Unding), wäre das absolute Happy End mit EM-Gold schlussendlich ihm zu teil geworden. Aber es ist wie’s ist. Und sollte irgendwie wohl auch so sein – nicht selten gibt es später ausgleichende Gerechtigkeit.
Kontides und Philipp gewinnen Gold bzw. Silber auch in der weltweiten Wertung. Die Bronzemedaille der Europa-Wertung erkämpft sich Filip Jurisic (Kroatien, 5. der Welt-Wertung). Bronze der Welt-Wertung geht an den Neuseeländer Gautrey, vor dem Australier Zac Littlewood.
Philipp, Europameister von 2012 (Hourtin), stockt mit seinem jüngsten Erfolg seine EM-Silbermedaillen auf eine zweite auf (2015 in Aarhus, 2026 in Kaŝtela).
G r a t u l a t i o n den Medaillisten, und auch
allen Top Ten-Platzierten!
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Tägliche Ergebnisse im Überblick:
- (Windbedingt keine Wettfahrten am 1. Tag)
(Liste nach 3 F-Races bzw. 4. Tag nicht vorhanden)
- (Windbedingt keine Wettfahrten am 5. Tag)
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Nächste Regatta:
Kieler Woche, Kieler Förde, Deutschland, Sa., 20. / Mi., 24.06.2026
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