Letzten Griff nach Bronze knapp verfehlt

2026 Mallorca 01 3 

Philipp mit dem undankbaren, jedoch sehr guten 4. Platz voll zufrieden

(Palma de Mallorca (Spanien), 30.03./04.04.2026-- Text: Friedl Buhl, Bilder ©: (siehe Bildangaben))
Die international hochrangig und voll besetzte Klassiker-Segelregatta „Trofeo Princesa Sofia“ in der Bucht vor Palma de Mallorca läutet die Segelsaison 2026 für alle olympischen Klassen ein.
 
So auch für den Allgäuer Weltklasse-Segler Philipp Buhl, der für den Segelclub Alpsee-Immenstadt (SCAI) und Norddeutschen Regatta Verein (NRV) startet. Trotz seines situationsbedingt deutlich reduzierten Wassertrainings mischte Philipp in der Führungsriege gewichtig mit. Nur um 3 Punkte verfehlte er hinter Australien und zweimal England das Podium knapp. „Bin trotzdem sehr zufrieden und weiß die wertvolle Platzierung für mich zu schätzen.“, sagte der SCAI-Segler.
Auch seine beachtlichen Ergebnis-Stabilität sei sehr positiv. Die Goldfleet-Races beispielsweise, besetzt von den besten 51 von insgesamt 199 Athleten aus 47 Nationen, beendete der Sonthofer alle einstellig. Und zum Fleetrace-Abschluss gar noch mit einem Wettfahrtsieg. Außer das einzige Race der Goldserie am dritten Tag, als er aus gesundheitlichen Gründen auf Segeln lieber verzichtete und folglich sein Punktekonto um schmerzliche 52 Zähler belasten musste.
 

Vorweg das Wichtigste zu den Regattaformat-Neuheiten

Wie bereits früher zum Beginn der Olympia-Auftaktphasen hat sich der Weltseglerverband (World Sailing) wieder einmal mehr ein neues Wertungsformat ausgedacht. Und darin geht es nicht vorrangig um eine möglichst gerechte Leistungs-Bewertung, sondern um eine publikumswirksamere Darstellung einer Segelregatta. Insbesondere mit Blick auf die olympischen TV-Übertragungen.
Dies mag gut und richtig gedacht sein, aber über längere Zeiträume erscheint so manches doch auch zickzackartig und fragwürdig.
Gewichtige Änderung: Die Qualifikations-Serie aus vier bis fünf Wettfahrten (Qualifying oder Vorrunde zum Zwecke der Fleetsortierung) fließen nun nicht mehr einzeln in die spätere Gesamtwertung ein, sondern mit dem bis dahin erzielten Platzierungs-Punktewert als nur eine Wettfahrt. Dies nennt sich Carry Forward (CF). Diese Punktezahl wird als nicht streichbar in die Nachfolgeserie übernommen, was prinzipiell richtig ist. Damit erhöht sich mit diesem CF logischerweise die Zufallswahrscheinlichkeit. Und dies verbessert nicht die Gerechtigkeit  der Leistungsbewertung, sondern wohl vielfach im Gegenteil.
Danach folgt in zugeordneten die Eliminationsserie (Ausscheidungsphase für das schlussendliche Finale der besten zehn Boote) aus insgesamt bis zu 12 Fleet-Wettfahrten.
Nach dem neuen Format gibt es nun zwei Medalraces mit einfacher Wertung statt (wie bisher) nur eines mit doppelter Gewichtung. Dies ist mit Blick auf gerechte Leistungs-Bewertung der finalen Phase durchaus positiv.
Neu ist übrigens auch die Regatta-Bezeichnung, nämlich Sailing Grand Slam (SGS), statt früher Sailing World Cup (SWC). Diese Änderung erscheint eher überflüssig und trägt zum unnötigen Zickzack bei. Gut dagegen ist, dass die SGS-Serie 2026 immerhin aus fünf Events besteht und eine finale SGS-Regatta geplant ist.
 

Zum Verlauf des Auftakt-SGS vor Palma de Mallorca

In der Vorrunde aus zwei + drei Wettfahrten über zwei Tage lieferte Philipp solide Ergebnisse ab. Bis auf einen 22. Platz (wurde zum Qualifying-Streichergebnis) waren alle Resultate einstellig: 9, 4, (22.), 5 und 2. Damit war er als Neunqlatzierter für das Goldfleet aus 51 Booten qualifiziert.
Ergebnisse nach 5 P-Races, bzw. 2. Tag ---- nicht vorhanden
 
Bereits vor Regattabeginn und dann zunehmend während dieser ersten beiden Wettfahrt-Tage war Philipp gesundheitlich nicht voll auf der Höhe.

Für den dritten Tag entschied er, in der Hoffnung auf einen dringend nötigen Genesungsfortschritt, für die weiteren Wettkämpfe nicht ins Boot zu steigen. „Die Gesundheit ist mir jetzt wichtiger. Und ich möchte keine Verschlechterung riskieren.“ Und er nicht aus, dass er die Regatta unter Umständen auch vorzeitig beenden müsse. Dies definitiv, sofern sich sein Zustand bis zum nächsten Tag nicht verbessern würde.

Für die Segler auf dem Revier frustrierend, für Philipp jedoch relativ günstig, kamen aufgrund grenzwertiger und teils ungeeigneter Windverhältnisse anstatt zwei bis drei Wettfahrten nur eine zustande. Somit erhielt er wegen des Startverzichts nur einmal die Höchstpunktzahl von 52 und schließlich eine Rückwärtsplatzierung um 21 Positionen auf Rang 30.
 
Am vierten Tag konnte Philipp wegen erfreulicher Verbesserung seines Fitnessgefühls grünes Licht für sein Weitersegeln geben.
Die fälligen drei Wettfahrten waren wegen des erneut schwierigen Windes nicht möglich, aber immerhin konnte das Racekomitee zwei ins Ziel bringen.
 
Philipps Ergebnisse von 6. und 9., und dies nun in der Führungsflotte, waren sehr okay. Auch trotz seines noch nicht ganz vollwertigen Gesundheitszustandes. Und nicht zuletzt auch wegen der schwer zu antizipierenden Winde. Dies belegt durchaus, dass der führende Matthew Wearn (Australien) einmal auf dem 26. und George Gautrey (Neuseeland, bisher 5.) gar 37. Platz landete.
Mit dieser sehr guten stabilen Tagesleistung von gesamt 15 Punkten - zusammen mit zwei anderen Seglern die beste Tagespunktzahl - sprang Philipp in der Zwischenbilanz wieder mitten in die Top Ten. Somit war er wieder auf Kurs zu seinen üblichen Zielsetzungen: Richtung Medalrace und danach vielleicht sogar Podest. Doch soweit will man lieber noch nicht vorausschauen.
 
2026 Mallorca 05 2Wird Philipp am letzten Fleetrace-Tag seinen zielstrebigen Kurs in Richtung Podest halten können. Dazu fehlen ihm je nach Verlauf lediglich etwa 5 bis 10 Punkte. Schlummerndes Problem ist sein erhöhter Brutto-Punktestand wegen seines Fehltages. Er kann sich also keinen oder maximal geringe Fehler leisten. Sonst ist das Podium ebenso wie evtl. auch das Top Ten-Ziel bzw. Finale-Ticket weg.
Über alle drei letzten Fleetrace-Bewerbe segelt der Oberallgäuer mit seiner Betreuung vom Bayerischen Seglerverband überzeugend stark. Er quert die Ziellinie zweimal als Sechster und legt im letzten Rennen sogar noch einen Wettfahrtsieg oben auf. Besser ist schwerlich möglich. Mit diesen Glanzresultaten erzielt er die zweitbeste Tagesleistung (13 P.). Nur der Engländer Michael Beckett war etwas besser.
Philipp qualifiziert sich schließlich als Viertbester (37 Netto-Punkte) für’s Finale. Vor ihm Eliot Hanson (England, 3., 32 P.), Beckett (2., 30 P.) und der klar führende Wearn (1., 17 P.).
 
Beim Finale ging die Rechnung für Philipp nicht ganz wie gewünscht auf. Im ersten Final-Rennen sehr wohl: 3. Platz.
Statt der leider nur 8. Position im abschließenden zweiten Medalrace hätte er für den erfolgreichen Griff nach der Bronze-Medaille wenigstens einen 5. Rang erzielen müssen, um den drittplatzierten Beckett auf die Plätze zu verweisen.
Olympiasieger Wearn verteidigt seine unangefochtene Führung vor Hanson und gewinnt erstmals die Klassiker-Regatta Princesa Sofia. Er beendet damit die großartige ununterbrochene Vierfach-Serie von Beckett.
2015 war Philipp der Gewinner der Trophäe und übrigens der einzige Deutsche, der dort jemals gewann oder auch nur das Podium erreichte. Indes kann er den kompletten Medaillensatz verbuchen: 2015 Gold, 2022 Bronze und 2024 Silber.
 
G r a t u l a t i o n  den Medaillisten!
 
Nun hat Philipp wegen 3 fehlenden Punkten eine weitere Bronzemedaille verpasst. Aber er nahm's gelassen und schätzte das Positive: „Natürlich ist es zunächst eine gewisse Enttäuschung, wenn man so nah dran ist. Bin mit dem 4. Platz keineswegs insgesamt enttäuscht. Sogar sehr zufrieden, wie es trotz meiner erschwerten Situation (wegen Gesundheit und auch enttäuschenden vorangegangenen DSV-Entscheidungen) doch sehr gut, ja eher unerwartet gut gelaufen ist.“
 
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Tägliche Ergebnisse im Überblick:
- nach 2 P-Races bzw. 1. Tag  (P-WF = Qualifying-WF [ WF := Wettfahrt ] );
       (P := Primary: Vorrunde, mit durchgetauschten Fleets)
- nach 5 P-Races bzw. 2. Tag — nicht vorhanden 
- nach 5 P-Races + 1 E-Race bzw. 3. Tag  (E-WF = Ausscheidungs-WF)
      (E := Elimination: Ausscheidung, in zugeordneten Fleets bzw. Aussch. für späteres Finale)
      (F := Finale, F1 + F2: Abschluss, nur beste 10 Segler)
 
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Weitere Links:
 
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Nächstes Event (Sailing Grand Slam [SGS] ):
 57. Semaine Olympique Francaise, Hyeres / Côte d’Azur, Mo., 20.04. / Sa., 25.04.2026
 
 

 

 

 

 

 

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