Weltcup-Event „Princesa Sofia“ endet mit tollem Doppel-Erfolg

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Philipp Buhl gewinnt Weltcup-Silbermedaille - und obendrauf die Krönung:
Philipp besteht bravourös die Olympia-Qualifikation für Paris 2024

(Can Pastilla, Mallorca / Spanien, 01./ 06.04.2024 -- Text: Friedl Buhl, Bilder ©: (siehe Bildangaben))

Drei Kriteriums-Wettkämpfe für den Zuspruch des in jeder Segeldisziplin einzigen nationalen Startplatzes bei den Olympischen Spielen in Paris setzte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) an.
Beim nun letzten Selektions-Wettkampf, der Weltcup-Regatta vor Palma de Mallorca, greift Philipp entschlossen und zielstrebig nach dem Olympia-Ticket. Gegenüber seinem vordringlichsten Rivalen aus dem eigenen Rennstall, Nik Aaron Willim aus Schleswig-Holstein, vergrößerte der Oberallgäuer den Punktevorsprung klar und beeindruckend. Diesen übergeordneten und für ihn zunächst wohl auch wichtigsten Erfolg krönt der SCAI- / NRV-Segler gleichzeitig mit der Silbermedaille. Und dies unter 193 Booten aus 56 Ländern bei diesem traditionellen World Sailing-Event vor der Südwestküste der spanischen Balearen-Insel.

Auf die Nachfrage nach der Empfindung dieses großartigen Zweifach-Erfolges antwortet Philipp: „Ja, es fühlt sich gut an. Aber ganz besonders, weil ich hier gleichzeitig auch noch auf’s Podest gesegelt bin.“ Mit einem zweistelligen Regattaergebnis hätte er die Olympia-Quali durchaus auch noch erreichen können. Aber dies, so Philipp, wäre für ihn bei weitem nicht so schön gewesen. So sei es doch ein klarer Beleg, in der Weltspitze voll mitmischen zu können. Und dies bei Bedingungen, die größtenteils nicht zu seinen liebsten gehören.

Info zur Olympia-Qualifizierung und ein Rückblick
Der Zuspruch eines deutschen Olympia-Startplatzes besteht für jede der zehn olympischen Segel-Disziplinen (z. B. Einmannboot-Klasse der Männer, ILCA 7), im Bestehen zweier Hürden. Grundsätzlich müssen die vom DOSB gesetzten hohen und ziemlich komplex geregelten Anforderungen über drei bestimmte hochrangige internationale Regatten gemeistert werden. Schaffen das mehrere Segler, erhält jener mit der höheren Punktesumme das pro Bootsklasse und Nation einzig zu vergebende Teilnahme-Ticket. Werden die DOSB-Voraussetzungen von keiner Segelmannschaft erfüllt, bleibt die betreffende Segelklasse bei den Spielen für Deutschland unbesetzt.

Diesen Fall gab es in Deutschland seit dem Beginn des Olympiastatus für den Laser (heutige Bezeichnung ILCA 7) 1996 dreimal: in den Jahren 2000, 2004 und 2008. Erst im Rahmen der Olympiade London 2016 gelang es neben Stefan Warkalla (damals 1996, Yachtclub Möhnesee) ein vorerst zweites Mal zwei deutschen Laser-Seglern gleichzeitig, die deutsche Zielanforderung zu erfüllen. Und dies sogar souverän durch die Athleten Philipp Buhl (Segelclub Alpsee- Immenstadt) und Simon Grotelüschen (Lübecker Yacht-Club). Zum Zuge kam schlussendlich Simon. Damals bitter für Philipp – und auch für mich.  Simon erzielte beim letzten Kriteriums-Wettkampf, bei der WM in Perth / Australien, das entscheidend bessere Ergebnis.

In der Folgezeit sicherte sich Philipp fortlaufend für Deutschland die Olympia-Teilnahme: 2016 in Rio de Janeiro und 2021 in Tokyo. Für die kommenden Spiele in Paris 2024 schwebte bereits seit letztem Jahr über den potentiellen Olympiakandidaten die brennende Frage und der damit verknüpfte Leistungsdruck um die Zuteilung der Olympia-Teilnahme. Aufgrund des hohen Leistungslevels kamen für den ILCA 7 nur Philipp und sein langjähriger Trainingspartner Nik Willim in Betracht. Einerseits sind die beiden gegenseitig hilfsbereite Teamkollegen. Jedoch in Sachen Olympia-Teilnahme hart kämpfende Rivalen. Ein sicherlich nicht einfach zu handhabender Gegensatz während der Kriteriums-Wettkämpfe. Dies sind in der ILCA 7-Klasse die beiden Weltmeisterschaften in Holland (Aug. 2023, Nordsee / Den Haag) und Australien (Jan. 2024, Pazifik / Adelaide) und jüngst die traditionelle Weltcup-Regatta vor Palma de Mallorca.  

Zwischenbilanz vor dem letzten Ausscheidungs-Gefecht in Palma
Mit den Ergebnissen der beiden WMs hatten Philipp wie Nik das DOSB-Kriterium weitgehend erfüllt.
 
Die Ergebnisse und zugeteilten DOSB-Punkte im Einzelnen:    
  • WM Den Haag: Philipp (12. Platz ,  9 Punkte),  Nik (16. Platz , 5 Punkte)
  • WM Adelaide:    Philipp ( 4.  Platz , 17 Punkte), Nik (14. Platz , 7 Punkte)                  

Nik war bis dahin mit 14 Punkten (entsprechend über 50 % rel. zu Philipps Punktzahl) im Rückstand. Doch die Regatta auf Mallorca bot ihm noch eine letzte Chance. Dazu müsste er aber hervorragend abschneiden und Philipp bestenfalls nur zweistelliges Ergebnis zustande bringen.

Verlauf der Weltcup-Regatta auf Mallorca
Doch so sollte es nicht kommen. Schon am Auftakttag segelte Philipp unübertroffen stark. Als einziger unter den drei Fleets aus jeweils über 64 Booten segelt er bei grenzwertigem Starkwind (6-7 Beaufort, = 25-30 Knoten) und heftigen Wind- und  Dünungs-Wellen zweimal als Sieger durchs Ziel. Einmal sogar trotz einer Kenterung. Der Weltmeister von 2020 sorgte mit diesem furiosen Auftritt wohl für einen gehörigen Respekt bei der kompletten Weltelite.
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Bereits ab dem zweiten Tag änderten sich die Windverhältnisse anhaltend über die gesamte Woche. Vorwiegend gab es nurmehr Leicht- bis Mittelwind um 2-3 Beaufort, teils erheblich bis stark drehend. Philipps liebste Bedingungen waren Tag für Tag nicht geboten. Aber er nimmt sie natürlich aufgeschlossen an und kam damit erfreulich gut zurecht.

Der zweifache Olympia-Teilnehmer belegte dies mit seinen stabil guten bis teils hervorragenden Ergebnissen bis zum zehnten und letzten Fleetrace. Nur einmal schlich sich bei ihm ein Patzer ein (33., wurde zum Streichergebnis). Den konterte Philipp postwendend mit einem dritten Wettfahrtsieg im Goldfleet. An allen sechs Tagen behauptete sich der Sonthofer auf dem Podest und war ununterbrochen mit dem gelben, roten oder blauen Shirt des Podestplatz-Inhabers unterwegs.
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Für Nik zeichnete sich indes zusehends die Olympia-Ausscheidung ab. Er ist immerhin während zehn Rennen dreimal besser gesegelt als Philipp. Doch konnte er den bereits zur Halbzeit summierten Rückstand von +25 Netto-Punkten absehbar kaum noch in der erforderlichen Dominanz übertrumpfen.
 
Situationsgemäß konnte sich Philipp neben der wohl schon gelungenen und auch wichtigsten Mission (Philipp versus Nik bezüglich Olympia) auf den Kampf um die Verteidigung oder u. U. vielleicht sogar Verbesserung seiner Podiumsposition konzentrieren.
 
Zum Finale der besten Zehn (Medalrace, [MR]) qualifizierte sich Philipp als Zweitplatzierter, hinter Michael Beckett (1., England, WM-Bronzegewinner 2024) und vor dem ehemaligen Weltmeister Jean Baptiste Bernaz (3., Frankreich), Matt Wearn (4., Australien, amtierender Weltmeister und Olympiasieger) und Stefano Peschiera (5. Peru). Nik musste das letzte Medalrace-Ticket leider wegen fehlender 5 Punkte dem ehemaligen Weltmeister Pavlos Kontides (10., Zypern) überlassen.
Becketts Führung war nicht mehr gefährdet. Wenngleich er einmal 66 Punkte (wurde sein Streichresultat) wegen eines Frühstarts verbuchen musste, ist er im ansonsten faszinierend gut und stabil gesegelt.  Philipp war der Bronze-Platz bereits sicher. Seine bis dahin silbernen Position galt es allerdings gegen Bernaz und unter Umständen auch Wearn zu verteidigen.
 
Nach vierstündigem Abwarten erbarmte sich in den letzten noch verfügbaren Startminuten ein halbherziger leichter Thermikwind und bot dem finalen Wettkampf doch noch eine akzeptable Bühne.
Philipp gelingt mit MR-Platz 6 die Verteidigung seines 2. Platzes in der Endwertung gegen seinen Kontrahenten Bernaz (MR 9., gesamt 3.). Es gelingt ihm damit auch seine nachgeordnete Zielsetzung eines Regatta-Spitzenergebnisses. Mit Princesa Sofia-Silber veredelt er on top die gewonnene Olympia-Qualifikation und schloss mit einem tollen Happy End: „Dass es hier so positiv endet, davon konnte ich zuvor eigentlich nur träumen. Ich fühle mich sehr zufrieden, ja glücklich.  Und bin dankbar.“
 
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G r a t u l a t i o n den Medaillisten,
und vor allem auch Philipp für‘s Olympia-Ticket
Ein Kommentar:
Für Nik Aaron Willim ist dies nun sicherlich eine bittere und dunkle Phase seiner Karriere. Philipp und ich erinnern uns noch sehr gut an unsere Niederlage in Perth, als es den Ausgeschiedenen-Status zu verkraften und verdauen galt. Das hielt eine Zeitlang an. Aber dies gehört eben zu den Schattenseiten und Härten im professionellen Leistungssport. Allerdings: Enttäuschungen und Niederlagen verblassen wieder, jedoch stärken sie andererseits. Sofern der Fokus und die Zuversicht aufrecht bleiben. Nik hat sich im Lehrteam mit Philipp und seinem Trainer in den Jahre überzeugend gesteigert, und er besitzt durchaus das komplexe Bündel an Voraussetzungen für ein Weiterkommen bis ganz nach oben.
Nik, bewerte Olympia nicht zu hoch. So, als gäbe es sonst bei weitem keine ebenbürtigen Events. Medial läuft Olympia ohnehin zu überspannt ab. Medial sinnvoller und geboten wäre – und dies insbesondere auch in Deutschland - dem Segelsport und auch vielen anderen Sportarten in den Zeiten zwischen den Spielen mehr Platz einzuräumen und dabei halt die Überdominanz von Fußball und Co zu beschneiden.
In diese Richtung können wiederholte Top-Platzierungen bei hochrangigen internationalen Segelregatten sehr wohl positiv wirken. Dann fühlt sich die seitenlastige Medienwelt zumindest etwas mehr zu angemessenen Berichten angetrieben.

Auch von dieser Stelle nun ein herzliches Dankeschön an Nik für Dein sportlich faires Miteinander im Team mit Philipp. Dass Philipp im Sommer zu den Spielen nach Paris bzw. Marseilles darf, ist mit Sicherheit auch ein gutes Stück Dein Verdienst.

Danke nochmals für Dein Team Playing.  Mit dem Wunsch, weiterhin zusammen für’s Erreichen hoher Ziele zu kämpfen. Viel Erfolg weiterhin!

3 erstplatzierte 2

 Ergebnisse ...

- nach 2 Races bzw. 1. Tag  (2 Qualifying-WF)
- nach 4 Races bzw. 2. Tag  (4 Qualifying-WF)
- nach 6 Races bzw. 3. Tag  (4 Qualifying-WF + 2 Goldfleet-WF)
- nach 8 Races bzw. 4. Tag  (4 Qualifying-WF + 4 Goldfleet-WF)
- nach 10 Races bzw. 5. Tag  (4 Qualifying-WF + 6 Goldfleet-WF)
- nach 11 Races bzw. 6. Tag  (4 Qualifying-WF + 6 Goldfleet-WF + 1 Medalrace)
 
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