Hyeres: Oberste Zielsetzung diesmal anders

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Sehr gute Leistungen von unglücklicher Endphase überschattet -
- und wichtigstes Ziel verfehlt

(Gesamtbericht, veröffentlicht am Fr., 12.05.2023.)

(Hyeres, Südfrankreich, 24./29.04.2023 -- Text: Friedl Buhl, Bilder ©: (siehe Bildangaben))

Zum nunmehr 11. Male startete Philipp Buhl beim wohl bedeutsamsten Weltcup-Klassiker in der Cote d’Azur-Bucht vor Hyeres. Dieses hochkarätig besetzte Segelevent aller olympischen Klassen, die Semaine Olympique Francaise (SOF), bescherte dem Oberallgäuer schon zahlreiche unvergessliche Momente:  u. a. Sieger 2012 und 2016 und besonders beachtlich: Im ersten Jahr seiner Teilnahme – 2009, er war erst 19-jähriger Junior – qualifizierte sich das junge Nachwuchstalent für das Abschlussrennen um die Medaillen. Absolut ungewöhnlich! Sein erster finaler Showkampf unter den besten Zehn begann damals höchst motiviert (vermutlich übermotiviert) und endete einfach nur traurig: Frühstart und somit Disqualifikation.
Doch was für ihn blieb, war ein hervorragender 9. Platz unter der kompletten Weltelite der Erwachsenen / Großen. Mehr noch (Zitat aus dem damaligen Bericht): Philipp „ ... besiegte jeden der 140 Athleten in mindestens einer von insgesamt zehn Wettfahrten und darunter beispielsweise auch Welt- und Europameister Tom Slingsby (Australien) und Olympiasieger Paul Goodison (England).

Der Weltmeister von 2020 erzielte jüngst bei der SOF auf demselben Revier den 6. Platz. Eine zweifellos exzellente seglerische Leistung im Umfeld von 155 Konkurrenten aus 49 Ländern. Und doch blieb ein enttäuschender und wohl auch trauriger Abschluss. So betrachtet besteht eine Parallele zu den oben geschilderten Ereignissen in seinem Weltcup-Einstiegsjahr 2009.

Philipp hat nämlich seine diesmal anders geartete erstpriorisierte Zielsetzung – nicht das Podest oder gar den Sieg - zum Schluss leider schmerzhaft verfehlt. Das Ziel lautete: Um mindestens drei Plätze besser sein, als sein zwischenzeitlicher Rivale Nik Aaron Willim aus dem eigenen Team. Mehr dazu im Folgenden.
 
Der Oberallgäuer startete am ersten Tag traumhaft gut in die Qualifying-Serie. Mit einen Wettfahrtsieg gleich zu Beginn und einem nachfolgenden 2. Platz verbuchte er die Tagesbestleistung und belegte zusammen mit Elliot Hanson (England, im anderem Fleet) die Führung.
 
Auch in den zwei folgenden Wettfahrten des nächsten Tages lief es für Philipp wie am Schnürchen. Die Plätze 3 und 4 festigten seine Position in der Führungsriege: Zwischenbilanz-Rang 4, mit nur 3 Punkten Rückstand zum Erstplatzierten. Willim ist bis dahin auch gut gesegelt und lag an 13. Position.
 
Den dritten Tag beendete der Sonthofener erneut im grünen Bereich, wenngleich nicht mehr ganz so berauschend wie an den Vortagen. Mit den sehr ordentlichen Plätzen 7 und 8 verdiente er sich das so wichtige Werturteil, stabil gut und bisher ohne Ausrutscher gesegelt zu sein. Er fiel im Zwischenergebnis zwar um eine Position auf die 5 zurück, jedoch trennte ihn nur 1 Punkt vom Podest. Sein vordergründiger Konkurrent Willim qualifizierte sich mit drei Plätzen hinter Philipp für das nun bevorstehende Konkurrenten-Feld des Goldfleets.
Keine Ergebnisliste vom 3. Tag vorhanden
 

230424 SOF20234333a92a 2Auch am vierten Tag bzw. nach zwei Finalserien-Wettfahrten in der ab jetzt dreifach leistungsdichteren Goldflotte hatte Philipp allen Grund zur Zufriedenheit: „Ja, es war für mich ein solider Tag.“ Mit den Rängen 14 und 6, und dies bei teils stark drehenden und vorwiegend leichten Winden, verteidigte er seinen 5. Platz knapp hinter dem Olympiasieger Matthew Wearn (Australien). Rückstand zur Führung von Pavlos Kontides nur bescheidene 7 Punkte netto und 5 brutto. Somit stand die Türe weiterhin zu allem offen.

Willim allerdings, auf den Philipps erstrangiges Augenmerk zu richten war, konnte mit 15 Punkten Rückstand zu Philipp ebenso seine Vortages-Platzierung (8.) verteidigen und stellte somit weiterhin eine Gefahrsituation dar.
Zwischen den beiden Deutschen aus demselben Kader entbrannte zunehmend ein ganz spezieller Kampf. Es ging nämlich um die Qualifikation für die Teilnahmeberechtigung beim olympischen Testevent in Marseilles. Noch hatte Philipp seine Nase gerade ausreichend vorne. Aber noch stehen zwei Finalraces und das Medalrace an.

Erste "dunkle Wolken"

Eine eindrucksvolle Verbesserung im Vergleich zu den vorangegangenen Regatten (EM in Andora und Mallorca) war seine bisherige Stabilität. Doch dieses
Topblatt sollte bereits in der ersten Wettfahrt des 5. Tages keine Fortsetzung erfahren: Platz 47 – somit eine schwere Last auf das Brutto-Punktekonto.
Genau betrachtet, war es nur ein einziger Fehler mit naturgemäß weiteren Folgewirkungen, die zu diesem für Philipp sicherlich unwürdigen Ergebnis-Tiefschlag führten. Bei den schwierigen Windverhältnissen ist das ganz schnell geschehen. Es hätte gut auch ein einstelliges Resultat erzielt werden können. Mit dem folgenden und durchaus noch ordentlichen 15. Platz im zehnten und letzten Fleetrace blieb Philipp zwar weiterhin in seiner 5. Position. Jedoch rückte ihm Willim trotz seines Ausrutschers (28.) mit nurmehr 5 Punkten Rückstand unmittelbar an die Fersen (6.).
 
Medalrace - schwierigste und entscheidende Herausforderung

Ein Podestplatz war für Philipp nicht mehr erreichbar. Aber darum ging es ihm ausnahmsweise nicht. Über allem stand für den langjährigen A-Kader-Segler der Kampf gegen den nächsten Kollegen, Trainingspartner ... aus dem Nachwuchs-Perspektivkader. Es ging um die abschließende Qualifikations-Vormachtstellung - zwischen Lehrmeister und Lehrling / Gesellen.

Welche systemimmanente Absurdität, dass auch in Zeiten entbrannter Rivalität das (ansonsten durchaus richtige) Teamplayer-Korsett fortdauernd positiv wirken und verbinden soll. Die Frage ist hier: Wie soll das denn funktionieren? Und wem hilft das erstrangig und wem eher nicht? Darüber ist nachzudenken! Und nicht nur das.

Zurück zum Verlauf des Finales. Ich will’s kurzfassen. Wie schon gesagt, musste Philipp im Endergebnis mindestens 3 Plätze vor Willim liegen, um seinen Vorsprung aus der EM gerade auszugleichen und schließlich die Qualifikation um den einzigen deutschen Startplatz (nur ein Starter pro Nation) bei der natürlich nicht unwichtigen Pre Olympics-Regatta für sich zu entscheiden.

Das Medaillenrennen unter der Top Ten-Gruppe hatte nun den endgültigen Ausschlag zu geben. Im typischen Mix von Gruppen- / Matchrace hat man beileibe nicht alle nötigen Hebel in der Hand. Da geht’s nicht nur um eine gute Platzierung, sondern auch um spezielle Gegner und dass sich auch noch andere Segler möglichst dazwischen positionieren (im Fall der beiden Deutschen zwei). Die taktisch-strategische Planung und erst recht die Echtzeit-Umsetzung gestalten sich also  hoch komplex, nicht selten zu komplex.

Philipps Selbstauftrag hätte mit Blick auf den Erfolg nun schwieriger kaum sein können.
Er hat das Medalrace von Anfang an entschlossen und gekonnt inszeniert. Ohne Übertreibung meisterhaft richtig! Doch der spätere Rennverlauf wollte nicht wirklich gut für den Angreifer mitspielen. Ab etwa Halbzeit entstand nochmals eine evtl. ausreichende Chance, die schwierige Mission gegen seinen Hauptgegner doch noch mit Erfolg zu krönen. – Doch es sollte einfach nicht aufgehen.
Philipp muss nun - trotz seines im Grund sehr guten Segelns auf den 6. Gesamtrang - ein enttäuschendes und wohl auch trauriges Ende verdauen. Und Willim kann sich über den Gewinn der Ausscheidung für die Teilnahme an der vorolympischen Test-Regatta freuen.

Für die endgültige Olympia-Teilnahme 2024 ist allerdings noch nichts entschieden. Dessen Ausscheidung läuft auf einer anderen und noch bevorstehenden Schiene ab. Und dazu werden die Karten nochmal ganz neu gemischt.

  Gewinner und Topresultate
Gratulation den Medaillisten und Top Ten-Seglern
Über die Medaillen durften sich freuen: Elliot Hanson (Gold, England), Michael Beckett (Silber, England), Pavlos Kontides (Bronze, Zypern).
Die weiteren Top Ten-Platzierungen: 4. Matthew Wearn (Australien), 5. Nik Aaron Willim u. 6. Philipp Buhl (beide Deutschland), 7. Stefano Peschiera (Peru), 8. Tonci Stipanovic (Kroatien), 9. Hermann Tomasgaard (Norwegen), 10. Jonatan Vadnai (Ungarn).

Endergebnisse nach  10 Races + Medalrace bzw. 6. Tag


Ergebnisse ...

- nach 6 Q-Races bzw. 3. Tag (keine Ergebnisliste vorhanden)
 
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